Arroganz und Fehleinschätzung…

…können den größten Musikstars das Genick brechen. Kurz vor Weihnachten konnte ich das ekelhafte Geräusch eines Genickbruchs live miterleben. Mit der Hoffnung, kurz vor dem Jahreswechsel, bei einem Konzert der Superlative dabei sein zu können, begab ich mich am 20.12.09 in die Szene  Wien…und wurde bitter enttäuscht. Aber am besten ich erzähle euch die ganze Geschichte von Anfang an.

Als ich Ende November erfuhr, dass Old School-Rap-Größen wie Jeru Da Damaja, Group Home und Afu-Ra nach Wien kommen würden, wusste ich, dass ich dabei sein musste. Da ich Afu-Ra schon mal im Wiener Flex erleben durfte (ich glaube es war 2003) und er damals das Publikum wirklich zum Ausflippen brachte, konnte ich es kaum erwarten ihn wieder zu sehen.

Laut Line-Up sollte es am 20.12. um 20h losgehen. Ich kam um 21h, aber DJ Lexstradamus war noch immer an seinen Tables und versuchte krampfhaft die wenigen anwesend Leute im Saal zum Tanzen zu bringen. Erst ein und halb Stunden später kam der deutsche Pre-Act, F.R., auf die Bühne. Dieser Rap-Newcomer hatte es wirklich nicht leicht mit dem (überschaubaren) wiener Publikum, aber das lag nicht wirklich an den Leuten, sondern an ihm selbst. „Alles schon mal gehört, alles schon mal gesehen“, dachte ich mir, gab ihm aber trotzdem eine Chance und ließ mich auf seine Tracks ein, doch seine plumpen, überheblichen und wenig kreativen Lyrics nervten mich schnell und ich beschloss mich bis Group Home an der Reihe war, bei der Bar aufzuhalten.

Kurz vor elf Uhr kam dann auch endlich Group Home auf die Bühne. Die Szene Wien füllte sich langsam und Lil‘ Dap, der sehr müde und gleichgültig performte, rappte ein paar Songs und war nach 30 Minuten wieder aus dem Rampenlicht verschwunden. Ich war verwirrt, dachte mir aber, dass es jetzt mit Jeru und Afu-Ra nur noch besser werden konnte. Falsch gedacht!

Jeru Da Damaja wirkte schon am Anfang seiner Show ziemlich besoffen, gestand dann, dass er nicht mehr kiffen, aber dafür massig saufen würde. Was er auch während seiner einstündigen Performance auch tat. Sein Rap-Songs, wie „Come Clean“, blabbelte er herunter, mit wenig Power oder Gefühl und verbrachte die meiste Zeit nicht mit dem Rappen, sondern damit „I can’t hear ya“ oder „C’mon, scream Uh-Uh-Uh, Vienna“ zu brüllen. Langweilig!

Mit einer Verspätung von 2 Stunden, also um 1h, war dann auch endlich Afu-Ra dran, Wien zu zeigen, was es heißt mit feinsten Old School-Tunes zu glänzen. Doch was geschah? Er war komplett hinüber, zugekifft und hat keinen einzigen Song bis zum Ende gespielt. Meine absoluten Favorites wie zum Beispiel „Equality“ oder „Don’t Cry“(ft. Gentleman) brach er nach ein, zwei Strophen ab. Eine Frechheit!

Nach genau einer halben Stunde, ging er ohne sich zu verabschieden von der Bühne und die Lichter im Saal gingen an. Ich konnte es kaum fassen, dass das Konzert zu Ende war. Mir blieb aber nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren und mich zur Garderobe vor zu quetschen, um meine Jacke zu holen und schnell nach Hause zu fahren. Doch vor den Türen des Saal staute es sich extrem und bald fand ich heruas warum – die Gang Starr-Rapper standen selbst hinter der Theke und verkauften Shirts, CDs, usw.. Mich juckte die ganze Aufregung um die drei Amis eher wenig, aber die Leute flippten aus, wollten Autogramme und Bilder mit ihren Hip Hop-Stars, was ich nun wirklich überhaupt nicht verstehen konnte.

Fazit: Das war das schlechteste Konzert EVER! Die ganze Gang Starr Foundation hat ordentlich verkackt und ich bereue es, satte 17 Euro für dieses amateurhafte und arrogante  Pseudo-Hip Hop-Konzert ausgegeben zu haben!

Aber egal, ich hatte mittlerweile genug Zeit mich wieder abzuregen und für euch habe ich sogar eine Slideshow des Abends gebastelt – here you go!

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4 Kommentare zu “Arroganz und Fehleinschätzung…

  1. Tja, manche „gemachten“ Musiker haben wohl kein Bedürfnis mehr ihre Fans bei den Konzerten zufriedenzustellen! SOwas ist einfach das letzte! Denn ohne ihre Fans, die brav Alben kaufen hätte sie es nie soweit gebracht!

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    • Deine Worte in Musikgottes Ohren – obwohl es ja schon sein kann, dass man als Musiker einen „schlechten Tag“ hat, aber verdammt, dann kann damit aber auch anders umgehen – nicht mit zur Arbeit nehmen 😉

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  2. Is ja so ziemlich alles schief gelaufen was schief laufen konnte, schade 😦 Gerade die Group Home hat mich in dem video total geflasht , hatte vorher noch nichts von denen gehört.Und zum Deutschen HipHop,auch in Bezug auf FR, der ist momentan absolut marode, weil man sehr wenig wirklich guten HipHop in Deutschland bekommt, okay es gibt schon ein paar Vertreter wie z.B. Blumentopf,Freundeskreis vllt. noch die Fanta4 und Samy Deluxe, aber dann hörts schon wieder auf ;)!! Der Rest ist nur Mittelmaß oder dann diese Möchtegern-Gangsta-Rapper aus Berlin. Man merkt auch langsam in Deutschland dass auch bei Jugendlichen weniger Bushido und Sido gehört wird als vor ein-zwei Jahren..geht zum glück alles wieder in normale Bahnen. Die Sekte hat schluss gemacht und das war dann hoffentlich auch das Ende vom Lied.

    Grüße, Daniel

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    • Ja hey, Daniel – mich hat’s anfangs eben auch sehr geflasht, dass solche Old-School-Rapper nach Wien kommen und ich hab mich wirklich auf den Abend gefreut – aber es war wirklich eine Frechheit, das Konzert!
      FR kannte ich bis dahin noch gar nicht – und wie gesagt, geflasht hat er mich nicht. Und dass Deutsch-Rap in den letzten Jahren wirklich an Qualität verloren hat, kann ich nur unterschreiben!
      Aber das ist sooooo schade, echt! Ich hoffe es wird bald wieder besser. Würde mich echt mal über neue Alben von Curse, FK, Blumentopf, etc. freuen!

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