Österreich, Slowenien, Italien….und John Zorn!

Letzte Woche entschied unsere 4er-WG spontan ein paar Klamotten, Instrumente und CDs einzupacken und sich auf einen Road-Trip Deluxe zu begeben. Unser erstes Ziel war der Ossiacher See in Kärnten. Dort besuchten wir einen alten Freund, genossen die Natur, die Stille und abends lustige Skip-Bo-Spiele. Der zweite Tag unsere Kurztrips verlief unter dem Motto „Zuerst ins warme Nass und dann auf Italien auf a Pizza“. In Tarvisio, einer kleine Stadt gleich an der Grenze, genossen wir die heimischen Spezialitäten.

Da uns die Eltern meiner besten Freundin und Mitbewohnerin, Nina, vor unserer Abreise alle zum Jazz Festival in Ljubljana eingeladen haben, machten wir uns am Samstag-Nachmittag auf den Weg nach Slowenien. Unsere Vorfreude war enorm groß, denn wir würden nicht nur zwei Tage mit meiner hinreißenden Tante Amanda in der gemütlichen und wunderschönen Metropole verbringen, sondern auch den wohl herausragendsten, beeindruckensten und einflussreichsten Jazzmusiker der Gegenwart endlich live sehen – die Rede ist von John Zorn!

Foto: delaigua

Seit circa 12 Jahren ist mir dieser Namen ein Begriff. Zu verdanken habe ich das Mike, Nina’s Vater. Um John Zorn live zu sehen reiste er dutzende Male nach New York, besitzt alle CD’s & Platten und so kann man ihn wohl ruhig als einen großen Fan des brillanten Jazzmusikers bezeichnen. Mike war es also, der mich mit diesem talentierten Musiker „bekannt gemacht hat“, mir DVD’s von Konzerten gezeigt und unzähligen Songs vorgespielt hat. Live hatte ich allerdings noch nie die Möglichkeit John Zorn zu sehen, deshalb war ich vor dem Festival wirklich aufgeregt und konnte es kaum erwarten diesen Jazz-Gott aus Amerika endlich auf der Bühne zu erleben.

John lehnt die Bezeichnung Jazzmusiker für sich selbst übrigens rigoros ab, schließlich will er sich nicht einfach so „abstempeln“ lassen. In einem der seltenen Interviews äußert er sich zu diesem Thema: „The term “jazz,” per se, is mean­ingless to me in a certain way. Musicians don’t think in terms of boxes. I know what jazz music is. I studied it. I love it. But when I sit down and make music, a lot of things come together. And sometimes it falls a little bit toward the classical side, sometimes it falls a little bit towards the jazz, sometimes it falls toward rock, some­times it doesn’t fall anywhere, it’s just floating in limbo. But no matter which way it falls, it’s always a little bit of a freak. It doesn’t really belong anywhere. It’s something unique, it’s something dif­ferent, it’s something out of my heart. It’s not connected with those traditions.“…“I feel close to the avant garde. I would like to see the avant garde, experimental music being accepted as a genre in and of itself. I would like to see avant garde/experi¬mental sections in the major conglomerate record stores. Not just in the stores that have intelligent buyers like Other Music or Amoeba on the West Coast— small stores that are run by people who believe, who hire people who know the music, where you can go to the store and say, “Tell me something interesting,” and they will. Remember that? Those were the days of great record stores.“

Der jüdische Saxophonisten, Komponisten und Musikproduzent beschreibt seine Arbeit folgendermaßen: „My musical world is like a little prism. You look through it and it goes off in a million different directions. Since every genre is the same, all musicians should be equally respected. It doesn’t matter if it’s jazz, blues, or classical. They’re all the same.“

Okay, aber nun zurück zum Festival. Die Open Air Location in Ljubljana hieß Križanke und um kurz nach 20h ging‘s los. John Zorn kam in seinem „bekannten Outfit“ (rotes t-Shirt & Armyhose) auf die Bühne, war sichtlich gut gelaunt und performte in verschiedenen Ensembles. Die 10 „Band-Mitglieder“ können ruhig als die Créme de la Créme der Szene bezeichnet werden – Cyro Baptista (atemberaubender Percussionmusiker), Marc Ribot (der Gitarren-Gott), Jamie Saft (faszinierender Keyboardplayer), u.v.m. wechselte sich ab, meist wurde in Duos oder Trios gespielt. John Zorn kitzelte abartige Töne aus seinem Saxophon, wie es sonst wohl kein anderer schafft. Die Mischung war perfekt – auf freakige Sounds folgten sanfte, „leicht verdauliche“ Songs aus dem „The Dreamers“-Projekt…Der erste Teil des Konzerts war eine experimentelle Improvisation-Show. Nach der 15 minütigen Pause, legte der progressive New Yorker sein Saxophon auf die Seite und dirigierte lässig. Am Ende gab es dann sogar noch eine Zugabe!…Filmen war allerdings strengstens verboten, denn John Zorn ist bekannt dafür, nicht gern gefilmt oder fotografiert zu werden. Schade, aber ich war sowieso eher mit schreien und klatschen beschäftigt!.. Irgendwer hat es wohl doch geschafft ein kurzes Video zu machen… hier ein kleiner Ausschnitt des Konzerts:

Später folgten noch Medeski, Martin & Wood die ein paar Zorn-Komposition  zum Besten gaben. John Medeski beeindruckte mich vorallem mit seinen mitreißenden Keyboard- und Piano-Solos. Bei diesem Auftritt durfte sogar geknipst werden und das habe ich sofort ausgenutzt.

Medeski, Martin & Woods

Komischerweise machen alle Bars in Laibach schon um Mitternacht zu, also machten wir es uns im Innenhof von Križanke gemütlich, stärkten uns mit leckeren Falafeln und ließen den unvergesslichen Abend Revue passieren. Am Sonntag wollten wir alle noch etwas relaxen, abschalten und in der Sonne faulenzen. Meine Tante und ihr Freund begleiteten uns nach Bohinj, einem See in der Nähe von Bled. Wunderschön!…Spät abends fuhren wir wieder Richtung Wien, entschlossen uns dann aber, wieder mal völlig spontan, doch noch in Kärnten Halt zu machen und noch eine Nacht in der 100 Jahre alten Hütte am Ossiacher See zu verbringen. Irgendwie muss aber alles mal eine Ende haben, auch der beste Road-Trip aller Zeiten, und so kamen wir Montag Nacht endlich in Wien an! Home sweet Home…


is like a little prism. You look through it and it goes off in a million different directions. Since every genre is the same, all musicians should be equally respected. It doesn’t matter if it’s jazz, blues, or classical. They’re all the same.“
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4 Kommentare zu “Österreich, Slowenien, Italien….und John Zorn!

  1. Wow, also ich bin wirklich kein typischer Jazz-Fan, aber das klingt wirklich wahnsinnig interessant! Vor allen Dingen: was für ein Erlebnis, schön in Slowenien mit den Freunden, einfach mal was gaaanz anderes erleben…

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